Das Ostsee-Wetter im Scholli-Land Ihr Urlaub an der Küste

Hein, Mücki und der windige Freund

Hein und Mücki, die beiden Hasenkinder, saßen am Strand. Sie saßen häufig dort, guckten Richtung Meer und träumten von großen Abenteuern. Sie mochten diese Tage, die so einfach nur dahinplätscherten, es musste gar nicht immer etwas Aufregendes passieren.

Doch heute geschah schon nach kurzer Zeit etwas Unheimliches: Sie hörten ein leises Hilfe-Rufen. Die beiden guckten sich an, ja, da war es wieder. Es war ganz weit entfernt, aber doch deutlich zu hören. Sie drehten sich um, das Rufen schien vom Wäldchen dort hinten zu kommen. "Komm Hein, wir müssen gucken, wer unsere Hilfe braucht". Hein war nicht ganz so entschlossen. Er war kein großer Freund von unheimlichen und spannenden Abenteuern, er mochte es lieber, wenn es ruhig und gemütlich zuging. Schon an jener Stelle in seinem Lieblingsmärchen "Hänsel und Gretel", an der die Hexe fragt:"Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?", hielt er sich schnell die langen Hasenohren zu. Mücki, das Hasenmädchen, mochte diese Geschichten.

Nun lief sie vor Hein, der sich ein bisschen geduckt hinter Mücki versteckte. Je dichter sie zum Wäldchen kamen, desto lauter wurden die Hilferufe. Sie waren also auf dem richtigen Weg. Plötzlich blieb Mücki stehen: "Hier, Hein, hier muss es irgendwo sein!". Mücki drehte sich, fasste dann schnell Hein an und deutete in den Sand. Ein kleiner Wind saß in einer Sandmulde, wirbelte wie ein kleiner Wirbelsturm umher und bat Hein und Mücki um Hilfe: " Oh, ihr beiden, wie gut, dass ihr mich gehört habt, ihr müsst mir helfen". Mücki und Hein guckten sich etwas ungläubig an. Das konnte doch nicht sein, dass ein kleiner Wind sie um Hilfe bat.

Hein und Mücki und der windige Freund
Doch so war es. Der kleine Wind hieß Klein-Wirbel und hatte seine Familie verloren, sie war einfach weiter gen Osten gezogen und schienen ihn ganz vergessen zu haben. Er hatte nur ganz kurz zum Strand gucken wollen. Ihm war es in der Luft so langweilig und am Strand hatten gerade die beiden Möwen gesessen, die er gestern am Himmel kennengelernt hatte, sie schrieen immer so schön laut und erzählten sich lustige Witze. " Ich wollte eigentlich nur kurz "Hallo" sagen und, als ich mich umschaute, war meine Familie schon weg." Alle drei schauten jetzt zum Himmel. Klein-Wirbel hatte Recht, die Wolken wurden vom Wind über den Himmel gejagt. Er musste sich also beeilen, wenn er seine Windfamilie wieder finden wollte.

Hein und Mücki konnten es immer noch nicht ganz glauben, dass sie sich mit einem kleinen Wind unterhielten. Das war aber jetzt ganz unwichtig. Viel wichtiger war es, dass Klein-Wirbel die großen Winde wieder fand.

Mücki fand als erstes ihre Sprache wieder: "Lasst uns erst einmal ans Wasser gehen, dort haben wir einen besseren Blick auf den Himmel". Klein-Wirbel wirbelte voran, Hein und Mücki hinterher. Als sie am Wasser standen und ihnen die großen Wellen gefährlich nahe kamen, stellten sie zum ersten Mal fest, wie unterschiedlich sich jede Windböe anfühlte. Hein war immer der Meinung gewesen, Wind sei gleich Wind, aber so war es ja gar nicht. Der eine Wind war ganz laut und pustete alles um, der andere wehte im nächsten Moment leicht um einen herum und schien etwas zu flüstern. Klein-Wirbel kannte sich natürlich mit Winden gut aus. Genauso wie für ihn alle Hasen gleich aussahen, so waren für Hein und Mücki alle Winde gleich.

"Wir müssen versuchen, dass deine Windfamilie uns findet. Wir selbst können sie nicht finden, dafür ist der Himmel viel zu voll von ihnen", bemerkte Hein. Ja, das war die Idee. Sie mussten es schaffen, dass die Winde auf sie aufmerksam wurden und nicht umgekehrt. "Ja, jetzt hab´ ich`s: Hein und ich hoppeln aufgeregt am Strand hin und her und winken, dann wird uns schon jemand von da oben sehen." Ob umherhoppelnde Hasen die großen Winde interessieren würden? Hasen kümmerten sich gewöhnlich reichlich wenig um die Winde! Nein, da mussten sie sich schon etwas anderes ausdenken. Irgendetwas, was Winde interessierte und sie dazu bringen würde, dann genauer hinzuschauen.

"Ja, das ist es", Mücki hatte nun eine Idee. "Wir sammeln ganz viele Muscheln und schreiben mit ihnen "HILFE!" in den Sand." Das war eine gute Idee! Sie sammelten schnell ein paar hübsche Muscheln. Nach kurzer Zeit stand am Strand in großen Buchstaben das Wort "HILFE". Sie setzten sich drum herum und warteten.
Hein und Mücki und der windige Freund
Klein-Wirbel war schon gar nicht mehr so verzweifelt, er hatte jetzt beinahe gute Laune. "Soll ich euch `mal den Witz von meinen beiden Freunden, den Möwen erzählen?" Witze mochten Hein und Mücki sehr gerne.

Ein Löwe tigert durch die Wüste. Plötzlich trifft er auf eine Gazelle und brüllt dieselbe an: "Wer ist der König der Tiere?" Die Gazelle zaghaft: "Na, du, Löwe!" Der Löwe ist zufrieden und geht weiter. Kurze Zeit später trifft er eine Giraffe. Auch die brüllt er an: "Wer ist der König der Tiere?" Die Giraffe hat auch Angst: "Na, du, Löwe!" Und wieder geht der Löwe zufrieden weiter. Kurze Zeit später trifft er einen Elefanten: "Wer ist der König der Tiere" Der Elefant packt den Löwen mit seinem Rüssel und klatscht ihn gegen eine Palme. Der Löwe kleinlaut: "Man wird doch wohl mal fragen dürfen..."

So einen Spaßvogel hatten sie schon lange nicht mehr getroffen und, dass sie so gelacht hatten, war auch lange her. Plötzlich drehten sich alle drei mit ihrem Kopf gen Himmel. Rief am Himmel nicht jemand den Namen von Klein-Wirbel? Klein-Wirbel lachte laut und freute sich: "Das ist bestimmt meine Familie!" Aber es war nichts zu erkennen. Kurz darauf merkten sie, dass hinter ihnen zwei Möwen seinen Namen riefen. Sie kamen an den Strand geflogen. Nachdem Klein-Wirbels Enttäuschung verflogen war, stellte er die beiden vor: "Das sind Fred und Kurt, genannt Freddi und Kuddel, die beiden Möwen, mit dem lustigen Witz. Mücki erzählte den beiden Vögeln von Klein-Wirbels Missgeschick und dass sie versuchten, am Strand aufzufallen, damit er von seinen Winden entdeckt werden würde.

Freddi und Kuddel waren der Meinung, die drei müssten viel mehr Getöse veranstalten und hatten auch sofort eine gute Idee. "Ich glaube nicht, dass es einen großen Wind interessiert, was am Strand geschrieben steht, wenn er denn überhaupt lesen kann!", bemerkte Freddi. Da musste Klein-Wirbel protestieren: Alle Winde konnten mehr oder weniger gut lesen! "Na gut, aber wir müssen etwas machen, was einen Wind etwas angeht, wie zum Beispiel Wetter, ja, wir müssen Wetter machen!", schlug Kuddel vor. Die vier anderen guckten sich etwas verdutzt an: Wetter machen! Wie sollte das denn gehen? "Na, wir machen am besten einen ordentlichen Donner. Da guckt garantiert jeder große Wind, woher dieser Donner kommt und schwupp-diwupp, gucken sie zu uns und entdecken Klein-Wirbel."

Gesagt, getan. Alle fünf: Hein und Mücki und Freddi und Kuddel und Klein-Wirbel schauten sich um. Und siehe da, am Waldrand entdeckten sie ein Stück Blech.

Sie schleppten es gemeinsam zum Wasser und trommelten mit ganzer Kraft darauf herum: Hein und Mücki tippelten mit ihren langen Beinen auf dem Blech, Freddy und Kuddel pickten mit dem Schnabel und Klein-Wirbel ließ den Sand auf dem Blech tanzen.

Hein und Mücki und der windige Freund
Es dauerte gar nicht lange, als die fünf zwar in weiter Entfernung aber doch ganz deutlich hörten, wie der Name von Klein-Wirbel gerufen wurde. Das Rufen kam immer näher. Und jetzt erkannte auch Klein-Wirbel, wer ihn rief: Es waren die großen Winde, zu denen er gehörte. Alle riefen jetzt durcheinander, am Strand und am Himmel. Alle freuten sich, Klein-Wirbel wirbelte noch einmal um seine neuen Freunde herum: "Vielen, vielen Dank für eure Hilfe, macht`s gut, Freunde." Er verschwand dann in den Himmel und zog mit den großen Winden Richtung Meer.

Jetzt mussten sie alle Abschied nehmen. So schön es war, dass Klein-Wirbel wieder zu Hause bei seiner Familie war, ein wenig traurig waren Hein und Mücki schon. Es war so lustig mit Klein-Wirbel.

Auch Freddi und Kuddel sagten "tschüss" und wollten losdüsen. Doch da erblickten sie etwas am Himmel: Ganz leicht, aber doch deutlich zu erkennen, stand mit weißer Luft am Himmel das Wort "Danke" geschrieben. Das war ja unglaublich! Winde konnten nicht nur sprechen und sich verfliegen, sondern auch schreiben!
Hein und Mücki und der windige Freund
Oh, war dies ein aufregender Tag gewesen: Hein und Mücki hatten drei neue Freunde kennen gelernt und eine ganz neue Welt entdeckt.

Kuddel und Freddi verabschiedeten sich nun auch: "Wir sehen uns gewiss bald wieder, dann könnt ihr uns ja `mal die allerneuesten Langohren-Witze erzählen!"

Ja, das wäre schön, dachten Hein und Mücki, winkten den beiden Möwen mir ihrer großen Hasenpfote hinterher und riefen ihnen "gute Reise" und " ja, bis bald, kommt bald wieder" nach.

Nun waren sie alle wieder weg, das Abenteuer war zu Ende. Mücki und Hein setzten sich zurück ans Wasser, sie schauten aufs Meer und lauschten den Wellen - und vor allem dem Wind. Von nun an hörten sich die Winde für Hein und Mücki neu an.
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